ex THW Magirus Deutz FA170D11

FA170D11_Seite_li

FA170D11 klingt nach einem komplizierten Namen, ist es aber nicht. Neben dem typischen LKW Naming stehen die Buchstaben F für Frontlenker Fahrgastzelle, A für Allrad (in meinem Falle 2- Achsen, es sind aber auch 3 angetriebene Achsen möglich), 170 für die Leistung in PS (ganz genau sind es 176PS), D für Direkteinspritzer (im Gegensatz zu den viel durstigeren/ineffizienteren Merkur Motoren der älteren Generation) und 11 für die Tonnage(hier aber auf 7,49t abgelastet).

Die grossen Pros, die mich zum Kauf bewegt haben sind wie folgt:

Reserven in der Tonnage:

Will ich wirklich autark unterwegs sein und eine hohe Sicherheit gegen Pannen, so muss man IMMER Reserven einplanen! Wer schon einmal einen Kombi voll geladen bewegt hat weiss was ich meine. Bei LKW Fahrgestellen ist es nicht anders und die max. Tonnage ist auch als eine solche zu verstehen. Die LKW Hersteller gehen idR davon aus, dass z.B. ein Baustellenfahrgestell nur in 60% der Lebenszeit voll beladen fährt. Bedeutet konkret: Der 170er als Frontlenker hat zwischen 5,5 und 6t ohne Aufbau. Mit dem leichten Dornier Alu Shelter bleibt man legal unter 7,5t wenn der Wagen voll besetzt und eingerichtet ist (gilt für die orig. Bereifung oder kleine Single Bereifung, bei 14“ern wird es enger 🙂 ). Zum max. Gewicht des Fahrgestells sind aber noch ausreichend Reserven, auch wenn man schlechte Pisten fährt, die das Fahrzeug natürlich deutlich mehr stressen!

Das Mitführen von hunderten Litern Wasser und/oder Diesel sind kein Problem, weder bei Platz noch bei der Zuladung, bei einem 3,5t Fahrzeug ist das unmöglich,

Es ist schlicht so, dass größere Fahrzeuge günstiger in der Anschaffung sind. Natürlich ist der Wagen auch über 30 Jahre alt aber als ex THW Rüstwagen fast immer in der trockenen Halle gestanden und gewartet! Der Zustand ist deutlich besser als bei gängigen PKW in gleichem Alter. Mit eine Historischen H-Kennzeichen liegt die Steuer super günstig, die Versicherung ebenfalls und Umweltzonen verlieren ebenfalls ihre Schrecken, sprich sind befahrbar. Eigentlich auch logisch, denn der 8,6l V6 emittiert keinerlei Feinstaub. Was hier aus dem Auspuff kommt ist nämlich Grobstaub.

Ersatzteile und weltweite Verfügbarkeit:

Deutz Motoren sind legendär. Nicht nur der Klang der luftgekühlten Motoren berauscht auch deren Zuverlässigkeit, Wartungsfreundlichkeit und Drehfreudigkeit. Da buchstäblich auf allen Kontinenten aber vor allem Europa und Afrika Generationen von Deutz Motoren in verschiedenen Fahrzeugen existieren ist die Ersatzteilbeschaffung kein Thema. Iveco hat weltweit Niederlassungen und alle Verschleißteile stellen kein Problem dar. Btw keinerlei Elektronik, die ggf eine „Werkstatt“ in der Sahara vor Probleme, wie passendes Diagnosegerät stellen könnte.

Raumangebot:

Die Frontlenker gibt es in 6er und 9er Ausführung. Die 6er Version hat noch ein ausreichend langes Fahrgestell und einen 4- 4,5m Koffer auf zu nehmen, die die beliebten, weil günstigen NVA Koffer zB mit 4,5m oder Dornier oder Zeppelin. Die Kabine ist so schon ca. 3m lang und natürlich schön breit, mit ca. 2,2m Innenraumbreite. 7 Gurte sind vorhanden, sinnvoll ist zB auch ein zweites Klappbett hinter den Vordersitzen ein zu richten, das kommt dann auf 1,3m x 2,1m und bietet 2 weiteren Schafmöglichkeiten außerhalb des Koffers.

Geländegängigkeit!:

Wer damit keine Erfahrung hat bitte einmal die Bilder vom Trucktrial EU Lauf in Osnabrück anschauen- Trucktrail 2008. Die vorhandene und seht gute 8,25“x20 Bereifung taugt schon einiges aber sinnvoll erscheint für das Gelände 11“er, 12“er, 13“er, 14,5“ oder gar 14“er. Auch für 14“ gibt es eine Freigabe von Iveco. Man bedenke die stattliche Höhe von 1,40m! bei 14“ern. Reifen sind immer ein Kompromiss und INHO sind 12“er der beste. Kosten für Reifen halten sich in Grenzen, die Felgen UND Reifen sind auch im Ausland problemlos zu beschaffen, da in Afrika immer noch eine gängige LKW Größe. Die Montage auf Sprenringfelgen ist ohne Werkstatt auch allein möglich!

Der Allrad verfügt über Untersetzung und Sperren im Verteiler und Heckdifferential. Die Rotzler Seilwinde ist ein professionelles Werkzeug für den Rettungsschutz. Da ist mit Nichten mit dem E-Motörchen zu Vergleichen, die in den Seilwinden von Jeep und Co stecken. Diese Winde ist für Dauerbetrieb geeignet und zieht 5t, bw nach hinten über die Umlenkrolle sogar 10t! Das Ganze bei ausreichend Seil und 80l Hydrauliköl, angetrieben über den Nebenantrieb.

Mit aktueller Bereifung läuft der Deutz nach GPS 95km/h, mit 12“ Bereifung liegt dann dabei auch eine sehr angenehm geringe Drehzahl an. Der Deutz verfügt über ein „Handgas“ mit dem man bequem mit dem Schieber im hohen Gang bis 80km/h beschleunigen kann.

Shelter auf Container Locks:

Es gibt viele Aufbauten mit den GFK NVA Koffern in 4,5m Länge. Diesen haben zwar den Vorteil von Alleetauglichkeit wegen der Schräge aber diese ist auch ein sehr großer Nachteil, weil man keine Schränke anbringen kann! Die GFK Konstruktion ist leer und ohne Isolation schon 1,5t schwer. Das wollte ich nicht! Ich fand einen Deutz mit 1. Container Locks, die den Koffer einfach mal eben Ladung sein lassen. Mit Stützen ist der Koffer Ruck Zuck abgesetzt und man kann eine Pritsche aufsetzen oder mit 700kg weniger unterwegs sein.

Der Dornier Koffer besteht aus Aluminium ist voll isoliert und mit einer einbruchsicheren Tür ausgestattet, die ein Sicherheitsschloss trägt. Der Koffer hat nun ein zweites Fenster (eins ist in der Tür) und Einrichtungen können direkt an Schienen angeschraubt werden, wie das schon vorhandene Regal. Die original Dornier Standheizung mit 580w Leistung ist nicht gehört zum Lieferumfang, sie ist nicht angeschlossen, da ich den Süden bevorzuge. Der Koffer entspricht dem Bundeswehr Vorgaben für die Kabine I, sprich 3mx2,2mx1,9m. Das sind jeweils die Außenmaße. Die Breite ist etwas geringer als die Kabine und somit einfach zu rangieren und übersichtlich. Die Höhe ergibt ein Fahrzeug ca. 3m und ist damit auch in Städten Brücken tauglich. Wer die „Idiotenbrücke“ in Köln kennt, weiß, was ich meine, da sind schon viele LKW Dächer abgerissen worden!

Vorteil gegenüber den Koffer-Eigenbauten ist, das der Koffer nicht nur selbsttragend ist, sondern auch stapelbar und mit einem Kran abhebbar.

Hinter dem Koffer bleiben etwa 80cm Rahmen auf denen man sehr gut Motoräder transportieren kann. Ich hätte allerdings das Rahmenheck einfach gekürzt hinter den Blattfederaufnahmen, das ist genau hinter dem Koffer.

Sicherheit:

Die schiere Größe sorgt für Sicherheit in entsprechenden Ländern. Zum einen weil man einen geklauten LKW nicht so einfach verstecken und „verscheuern“ kann- auch nicht in Afrika, im Gegensatz zu einem Geländewagen! Zum anderen wegen der Höhe. Es kann niemand so einfach an oder in das Fahrerfenster greifen, das Fenster im Koffer ist in 2,6m Höhe auch unerreichbar. Die Koffertür in über 1m Höhe. Von passiver sicherheit möchte ich nicht sprechen, weil es entsprechend schlimmer für das andere Fahrzeug aussieht aber kleinere Bäume, die einen Tiguan zweiteilen jucken den Deutz kaum.

Technische Daten grob zusammen gefasst:

  • Magirus Deutz FA 170D11 Bj 1979
  • V6 Luftgekühlter Deutz Motor. Direkteinspritzer, der Pflanzenöl tauglich ist wurde aber von mir nie gefahren. Der Deutz F6L413V hat solide 8,6 Liter Hubraum ist ein Saugmotor mit 176PS bei 2650U/min und 525Nm bei 1600U/min- luftgekühlt
  • Servolenkung
  •  Ca. 32.000 km und damit gerade einmal eingefahren
  •  Bereifung mit vollem Profil von Mitas in 8,25“x20 mit Sprenringfelgen, sprich Reifen können ohne besonderes  Werkzeug von einer Person gewechselt werden!
  • Containerlocks auf verschraubten Traversen
  • Eingetragenes Leergewicht Gewicht 6490kg, eingetragenes zGG 7490kg
  • Absetzkoffer Dornier Shelter FMB I, 3×2,2×1,9 Aussenmasse, Alu, voll isoliert, einbruchsichere Tür, sehr leicht
  • Bremse Luft auf Hydraulik, Bremse hat auf dem Prüfstand die Sollwerte bequem erreicht und hohe Bremsbelagstärke. Sie verfügt über eine, für das Baujahr, seltene Lufttrocknungsanlage/filter, die das häufig vorkommende Durchrosten der Bremsleitungen von innen verhindert
  • Rotzler Winde/Rockinger Anhängerkupplung/Sperre hinten und Mitte
  • Webasto Standheizung!

Der LKW ist sauber und komplett, die zu sehenden Kotflügel sind ggf im Package

SOLD und mit dem Kai hat er auch den richtigen Käufer gefunden, wir werden den Magirus wohl in neuen Kleidern wiedersehen!

PS: Wer kann schon sagen, dass er sein „Auto“ auf einem Satellitenphoto wieder erkannt hat? Naja er ist natürlich groß- das macht die Sache einfacher

Größere Kartenansicht
Mehr Photos gibt es hier:  http://170d11photos.derjackistweg.de/#home

 

Ein paar Neuteile sind dem dem Alter geschuldet, wie die neue Dieselhandpumpe mit Magnet im Schauglas, sowie ein neuer Stahlflexschlauch von der H-Pumpe zur EP. 2 neue Mann Dieselfilter liegen ausserdem bereit. Das Video zeigt wie der 8,6l Bursche das erste mal danach läuft. Es fehlen natürlich alle Abdeckungen (mit entsprechem Lärm), da ich vom Haus aus oben an die Maschine ran bin.

Share