Wer in Deutschland oder Europa einen US Van fährt, fährt damit ja schon alles andere als Mainstream – wer jedoch einen solchen als 4×4 / Allrad fährt, ist damit fast allein. Ich hatte ja hier schon reflektiert, was mich dazu bewogen hatte den Iveco 40.10 W 4×4 mit dem US Truck zu ersetzten. Ein erster Überblick über die wesentlichen Vorteile des Quigley E350 ist also dort bereits zu lesen.

Ich stelle gleichwohl fest, dass die Kenntnisse über dieses geniale Reisefahrzeug auch bei Offroadern und und Globetrottern gegen null tendieren. Kein Wunder: Mir sind zZ in Deutschland weniger als 10 Fahrzeugbesitzer eines Ford E350 Quigley oder eines anderen 4×4 Derivate bekannt. Von den Fahrzeugen, die es in Deutschland gibt, kenne ich alle fast Besitzer persönlich.

Wesentliche Parameter, die den Ford Econoline auszeichnen sind:

  • Full-size Van Karosserie, sprich rund 2 meter breit und 5,38m lang und 2,30 hoch.
  • Leiterrahmen in „C“ Profil, im vorderen Bereich boxed (also geschlossen anstatt C Profil). Die Karosserie ist also nicht selbsttragend.
  • solide und low tech Motoren – V8 und V10: 5.4 Liter V8 3-Ventiler Otto ~ 230PS. 6,8 Liter V10 3-Ventiler Otto ~ 300 PS und verschiedene Diesel vom 7,3 Liter N/A (natural aspiratet, sprich Sauger, Vorkammer Diesel) oder mit Turbo ~ 180PS / 190 PS, oder Power Stroke (Hochdruck Diesel Einspritzanlage, Direkteinspritzer) 7,3 Liter / 6 Liter Diesel ~ 230PS
  • 2 Starrachsen Dana Spicer, Modell 60. In meinem Fall Full Floater hinten und generell die üppige Ford 2 Kolben Bremssattel Anlage vorn.
  • Ersatzteile und Spezial Teile ohne Ende. Achsen, Differenziale, Sperren, Getriebe, Verteiler Getriebe, Federn, Motoren – alles lässt sich aus dem Regal heraus „pimpen“

Weitere Technische Daten fasse ich nun hier zusammen. Zuerst ein Überblick über die Karosserie Maße innen, wie außen. Sehr interessant für den geplanten Ausbau.

Der Ford Econoline Van in der vierten Generation wurde von 1992 bis letztes Jahr, 2015 gebaut. Der Econoline wurde in verschiedenen Gewichtsklassen gebaut, als E150, E250 und E350. Den E350 auch in der ~50cm (nur hinter der Hinterachse) längeren Version. Die lange Bauzeit ist spurlos an der Karosserie vorbei gegangen, sprich ohne Änderungen. Die Form ist heute noch modern und übertrifft in Verarbeitungsqualität die Chevy G20, G30 Van Karosserie deutlich. Ein Bsp ist die Schließqualität der Hecktüren. Beim Iveco waren die auch nur in etwa dicht bei verschlossenen Türen.

Die Vans waren ab Ford Werk immer 4 x 2 mit Einzelradaufhängung vorn! Erst durch die „Umbauer“ Quigley Motors aus Pennsylvania oder Sportsmobile oder Ujoint, werden Allradler daraus. Allesamt mit Starrachse vorn und zuschaltbarem Allrad.

Quigley baut nur Neufahrzeuge ab Ford Werk um. Quigley hat seinen Fokus auf Industrie Kunden und öffentlichen Dienst. Meiner ist ein ehemaliger Krankenwagen, deshalb auch mit höherem Dach, extrem selten, und mit 4-link Luftfederung an der Hinterachse anstatt Blattfedern.

Sportsmobile baut vorrangig Fahrzeuge als Wohnmobil aus und verkauft auch in private Hände. Sportsmobile verkauft ebenfalls 4 x 2 und baut auch im Fahrzeuge aus Kundenhand um. Ich bin nicht so ein Freund dieser WoMo Umbauten. IMHO zu amerikanisch. Sprich viel hilft viel: Dickes Holz = schwer. Viele Schrauben durchs Blech, Hubdach mit Zeltplane. Ein fertiges Sportsmobile WoMo mit der tollen Dynatrack ProRock 60 und dem intelligenten/ vielseitigem Atlas Verteiler Getriebe kostet leicht an die 100.000 $.

UJoint stellt Umbau Kits für Vans der 4. Generation her. Sehr interessant und technisch sehr gut. So läst sich auch der Umbau Stück für Stück umsetzen. Fertig ist man mit ca. 15.000$ inkl allem, nur der Umbau inkl Verteilergetriebe, Vorderachse, Umbau der Automatik, gekürztem Tank etc..

Die späteren Modelle E350 hatten ab Bj 1999 8 x 170mm Lochkreis, analog zur F-Serie. Davor war es der 165mm Lochkreis, wie bei mir. Das ist wichtig, wenn man nach Felgen sucht, eine Achse tauschen will oder Bremsscheiben. Letztere sind bei den Allrad Umbauen immer spezial Teile! Weil die starre Vorderachse aus der F-Serie kommt, sprich 170er Lochkreis hat. Passend zur Hinterachse bei Quigley ist der vordere Lochkreis jedoch 165mm. Die Bremsscheiben sind zwischen F- und E-Serie nicht tauschbar. Ergo eine F-Serie Scheibe mit 2 Set Löcher: 170er x 8 + 165er x 8.

Ujoint und Sportsmobile verwenden für die Anlenkung und Federung der starren Vorderachse Blattfedern. Quigley verwendet OEM Spiral Federn vom Van + eine eigene 4-link Aufhängung. So bei mir. Hat beides Vor- und Nachteile. Jedoch ist die Spiral Feder mit etwas Modifikation die bessere Lösung. Voraussetzung ist eine längere Feder, bessere Dämpfer und längere Längslenker. Federn und Dämpfer sind gar kein Problem und sind bei mir schon im Lastenheft fest verankert.

Die konkreten Änderungen von Quigley werden im Werk von jedem Fahrzeug festgehalten. Bei meinem Fahrzeug mit Bj 1993 sind das eine Dana Spicer 60 Achse. Ein Borg Warner 1345 Verteiler Getriebe und verschiedene Quigley Spezialteile, zB für den Anschluss der Ford E4OD Automatik an das Borg Warner.

Quigley Datenblatt 1992

Quigley Datenblatt 1992

Quigley Datenblatt 1992 Zeichnung

Quigley Datenblatt 1992 Zeichnung

 

SpicerCore_Dana60

SpicerCore_Dana60- Voderachse mit „low Pinion“

 

Ergänzend zu den Dana 60 Achsen vorn und hinten noch ein paar Hinweise:

Die späteren Modell hatte Ford OEM Achsen. Das sind Ford Sterling 10.25 oder 10.50. Die Zahlen geben bei Ford üblich den Ring Durchmesser an. Sprich 10,50 Zoll, also 10,5 x 2,54 cm. Diese Achsen sind sehr robust und über jeden Zweifel erhaben. Bei mir ist ein Dana Spicer 60 FF drin. Ebenfalls sehr robust und in der Klasse um 4-5 Tonnen völlig ausreichend dimensioniert.

Oft finden sich in den Hinterachsen Sperrdifferentiale mit limitiertem Schlupf. Sprich nicht on oder off, bw gesperrt oder offen, sondern mit einem gewissen Reibwert. Der leigt etwa bei 25% ist aber nicht eindeutig definiert, weil je nach Modell, Reibscheiben ähnlich einer Kupplung, für die Übertragung auf das gegenüberliegende Rad bei Schlupf sorgen. Dana nennt das limited Slip Diff in meiner Achse Track Lok. Technische Daten und das Service Manual dazu findet ihr hier.

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